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Direct Plugin Parameter Control (DPPC): Wie Host-Anwendungen Plugin-Parameter direkt steuern

MIDI bleibt ein zentraler Bestandteil elektronischer Musik. Software-Plugins verfügen jedoch zusätzlich über eigene Parametersysteme, die für den Host zugänglich sind. Direct Plugin Parameter Control ist ein vorgeschlagener Begriff für die direkte Steuerung dieser Parameter über das Plugin-Format, ohne jede Bewegung zuerst einer MIDI-Nachricht zuzuweisen.

Einführung

Die meisten Musiker kennen MIDI. Seit Anfang der 1980er-Jahre stellt es eine gemeinsame Sprache für Keyboards, Synthesizer, Controller, Computer und andere musikalische Geräte bereit. Auch heute gehört MIDI zu den Grundlagen moderner Studios und Live-Setups.

Software-Plugins brachten einen zusätzlichen Steuerungsweg mit sich. Eine Host-Anwendung kann ein Plugin fragen, welche Parameter es zur Verfügung stellt, diese Parameter anzeigen und über die API des Plugin-Formats neue Werte senden. Dadurch lassen sich Filterfrequenz, Delay-Zeit, Modulationstiefe oder andere verfügbare Parameter steuern, ohne sie vorher einer MIDI-CC-Nummer zuzuweisen.

Dieser Artikel verwendet dafür den Begriff Direct Plugin Parameter Control, kurz DPPC. DPPC ist kein offizieller VST3®-Begriff und keine neue Plugin-Spezifikation. Es ist eine beschreibende Bezeichnung für die direkte Arbeit mit dem Parametermodell, das ein Plugin seinem Host zur Verfügung stellt.

DPPC ersetzt MIDI nicht. MIDI eignet sich weiterhin besonders für Noten, Performance-Daten, externe Hardware und die Kommunikation zwischen verschiedenen Geräten. Direkter Parameterzugriff behandelt eine spezifischere Aufgabe: die Steuerung von Software-Plugin-Parametern innerhalb einer Host-Umgebung.

Diagramm zum Vergleich von MIDI-Mapping und direktem Zugriff auf Parameter eines VST-Plugins

Was ist Direct Plugin Parameter Control?

Direct Plugin Parameter Control beschreibt, wie eine Host- oder Controller-Anwendung Parameter über die hostseitige Parameter-API eines Plugin-Formats erkennt und verändert.

Statt eine allgemeine MIDI-Nachricht zu senden und sich auf eine vorhandene Zuordnung zu verlassen, spricht die Controller-Software einen exportierten Parameter über dessen Kennung an. Sie kann beispielsweise den Parameter verändern, den das Plugin als Filterfrequenz, Reverb-Größe oder Feedback bezeichnet.

Entscheidend ist dabei der Begriff exportiert. Ein Plugin kann zahlreiche interne DSP-Werte und private Funktionen enthalten, die es dem Host nicht zur Verfügung stellt. DPPC erreicht nur die Parameter, die der Entwickler nach außen bereitstellt und die von einer Host-Anwendung verändert werden dürfen.

Eine Änderung über die Plugin-Oberfläche, Host-Automation oder externe Controller kann letztlich denselben für den Host zugänglichen Parameter beeinflussen. Der Kommunikationsweg ist nicht in allen Fällen identisch, das Ziel kann jedoch derselbe exportierte Parameter sein.

DPPC ist ein beschreibender Begriff

DPPC ist die in diesem Artikel verwendete Bezeichnung für ein bestehendes Steuerungsmodell zwischen Host und Plugin. Es handelt sich weder um ein eigenes Protokoll noch um eine Zertifizierung oder Erweiterung von VST3. VST3, Audio Units, CLAP und andere Plugin-Formate besitzen jeweils eigene Parameter-APIs. DPPC beschreibt das übergeordnete Steuerungsprinzip, das diese Schnittstellen ermöglichen.

Plugins arbeiten bereits mit Parametern

Die meisten Plugin-Oberflächen basieren auf Parametern und gespeicherten Zuständen. Ein Regler kann die Filterfrequenz darstellen, ein Schalter einen Oszillator aktivieren und ein XY-Pad mehrere Werte gleichzeitig verändern. Die grafische Oberfläche bietet dem Musiker eine praktische Möglichkeit, mit diesen Funktionen zu arbeiten.

Das sichtbare Bedienelement ist jedoch nicht zwangsläufig identisch mit dem Parametermodell, das der Host sieht. Ein grafischer Regler kann mehrere DSP-Werte gleichzeitig beeinflussen. Umgekehrt können bestimmte Host-Parameter auf der Hauptseite des Plugins überhaupt nicht sichtbar sein. Andere Funktionen bleiben vollständig privat und werden nicht extern bereitgestellt.

Ein Host erhält daher keinen unbegrenzten Zugriff auf die interne Verarbeitung des Plugins. Er bekommt eine definierte Liste exportierter Parameter und die Informationen, die das Plugin zu diesen Parametern bereitstellt. Direkte Parametersteuerung arbeitet innerhalb dieser veröffentlichten Schnittstelle.

Warum MIDI 1.0 nicht für Plugin-Parameter entwickelt wurde

MIDI 1.0 wurde 1983 eingeführt, damit elektronische Instrumente verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren konnten. Im Mittelpunkt standen Noten, Anschlagsstärke, Pitch Bend, Programmwechsel, Synchronisation und eine überschaubare Gruppe von Controller-Nachrichten. Software-Plugins und sehr große Parameterlisten gehörten nicht zu diesem ursprünglichen Anwendungsfall.

Moderne Plugins können Hunderte von einstellbaren Werten bereitstellen. Komplexe Synthesizer, Sample-Instrumente, modulare Systeme und umfangreiche Effekte bieten häufig erheblich mehr Parameter, als sich bequem über eine kleine Gruppe herkömmlicher MIDI-CC-Zuweisungen bedienen lassen.

Das macht MIDI nicht ungeeignet für Musikproduktion. Es bedeutet lediglich, dass ein Protokoll für die Kommunikation zwischen musikalischen Geräten nicht immer der direkteste Weg ist, um das Parametermodell einer Software anzusprechen, die bereits innerhalb eines Hosts läuft.

DPPC umgeht die MIDI-Zuweisung und arbeitet stattdessen mit den Parameterkennungen und Werten, die das Plugin selbst bereitstellt.

Plugin-Parameter sind keine MIDI-Nachrichten

Eine MIDI-Nachricht und ein Plugin-Parameter sind zwei unterschiedliche Arten von Objekten.

MIDI ist ein Kommunikationsprotokoll. Eine MIDI-CC-Nachricht enthält eine Controller-Nummer und einen Wert. Welche Funktion dadurch verändert wird, hängt vom empfangenden Instrument, Plugin, der DAW oder dem verwendeten Mapping-System ab.

Ein Plugin-Parameter gehört zum softwareseitigen Modell, das das Plugin dem Host zur Verfügung stellt. Er besitzt eine Kennung und kann zusätzlich einen Namen, Standardwert, eine Einheit, einen Wertebereich, eine Anzahl diskreter Schritte und Angaben zur Automation enthalten. Das Plugin bestimmt, welche Parameter es exportiert und wie deren normalisierte Werte in interne DSP-Werte übersetzt werden.

MIDI kann diesen Parametern zugewiesen werden, doch es gibt keine universelle Eins-zu-eins-Beziehung. Dieselbe MIDI-CC-Nummer kann in verschiedenen Plugins völlig unterschiedliche Funktionen steuern. Viele Plugin-Parameter besitzen zunächst überhaupt keine MIDI-Zuweisung.

Deshalb können zwei Plugins mit ähnlicher Aufgabe sehr unterschiedlich auf denselben Hardware-Controller reagieren. Die gesendeten MIDI-Nachrichten können identisch sein, während die Zuordnungen und exportierten Parameterstrukturen verschieden sind.

Die VST3-Parameter-API verstehen

VST3 stellt eine standardisierte Schnittstelle bereit, über die ein Plugin Parameter an seinen Host veröffentlichen kann. Wenn der Host das Plugin lädt, kann er die Anzahl der exportierten Parameter abfragen und Informationen zu jedem Parameter abrufen.

Zu diesen Informationen können gehören:

  • Eine feste Parameterkennung
  • Ein vollständiger und ein verkürzter Anzeigename
  • Eine Einheit oder Parametergruppe
  • Ein normalisierter Standardwert
  • Die Anzahl möglicher Schritte bei diskreten Parametern
  • Kennzeichnungen für Automation, Read-only-Status, Sichtbarkeit oder Bypass

Parameterwerte werden über die VST3-Schnittstelle als normalisierte 64-Bit-Gleitkommawerte zwischen 0 und 1 übertragen. Das Plugin übersetzt diese normalisierte Position in eine musikalisch oder technisch verständliche Größe wie Hertz, Dezibel, Millisekunden oder einen Menüeintrag.

Da Plugins dieselbe hostseitige API verwenden, kann ein VST3-Host Parameter verschiedener Hersteller entdecken und steuern, ohne für jedes Plugin individuell programmiert zu werden. Der Host muss die DSP-Bedeutung eines Parameters nicht vollständig verstehen. Er benötigt dessen Kennung, die bereitgestellten Metadaten und einen gültigen Weg, um neue Werte zu senden.

Parametersteuerung mit hoher Auflösung

Herkömmliche MIDI-1.0-Continuous-Controller verwenden meist 7-Bit-Werte und bieten damit 128 mögliche Positionen von 0 bis 127. MIDI 1.0 unterstützt auch höher aufgelöste Verfahren, darunter gekoppelte 14-Bit-Controller. MIDI 2.0 ermöglicht für viele Controller eine noch deutlich höhere Auflösung. Diese Möglichkeiten stehen jedoch nicht in jedem Controller, Plugin und Workflow gleichermaßen zur Verfügung.

VST3 überträgt Parameterwerte als normalisierte 64-Bit-Gleitkommawerte. Ein kontinuierlicher Parameter muss deshalb nicht zunächst auf 128 MIDI-CC-Positionen reduziert werden, bevor er das Plugin erreicht. Das kann bei feinen Filterbewegungen, spektraler Verarbeitung, granularen Parametern, Dynamikbearbeitung oder anderen empfindlichen Einstellungen zu einer gleichmäßigeren Steuerung führen.

Das Transportformat garantiert jedoch keine unbegrenzte hörbare Genauigkeit. Ein Plugin kann einen Parameter in feste Schritte unterteilen, Werte intern runden, Smoothing anwenden oder seine DSP-Verarbeitung mit einer bestimmten Aktualisierungsrate ausführen. Das tatsächliche Ergebnis hängt vom Parameter und von der Implementierung des Plugins ab.

Die korrekte Aussage lautet daher nicht, dass DPPC immer genauer ist als jede Form von MIDI. Direkter Parameterzugriff verhindert vor allem, dass ein kontinuierlicher, für den Host zugänglicher Parameter zwingend auf die Auflösung einer typischen 7-Bit-MIDI-1.0-CC-Zuweisung begrenzt wird.

Warum direkte Parametersteuerung wichtig ist

Die höhere numerische Auflösung ist nur ein Teil des Vorteils. Direkter Parameterzugriff verändert auch, wie Controller-Software Parameter findet, anzeigt und speichert.

Die Software kann die Parameterliste verwenden, die das Plugin selbst bereitstellt, statt sich auf eine zusätzliche MIDI-Implementierung des Plugin-Entwicklers zu verlassen. Beschreibbare Parameter lassen sich mit Namen anzeigen, aus einer Liste auswählen und Bedienelementen zuweisen, ohne zuerst MIDI-CC-Nummern festzulegen.

Dadurch kann der Workflow bei sehr unterschiedlichen Instrumenten und Effekten konsistenter werden. Ein Synthesizer, ein Reverb und ein Dynamikprozessor stellen zwar völlig andere Parameter bereit, doch der Host greift über dieselbe Schnittstelle des Plugin-Formats auf ihre jeweiligen Listen zu.

Direkter Zugriff macht nicht automatisch jede Plugin-Funktion verfügbar. Das Ergebnis hängt weiterhin davon ab, welche Parameter der Entwickler exportiert, ob diese beschreibbar sind und wie verständlich sie benannt wurden. Der Benutzer muss außerdem entscheiden, welche Parameter auf der Steueroberfläche sinnvoll zusammengehören.

DPPC und MIDI Learn

MIDI Learn verbindet eine eingehende MIDI-Steuerung mit einer Funktion in einem Plugin oder einer DAW. Meist aktiviert der Benutzer Learn, bewegt ein Bedienelement am Hardware-Controller und wählt oder bewegt anschließend den gewünschten Zielparameter. Die empfangende Software speichert diese Beziehung.

Diese Methode bleibt besonders für Hardware-Controller praktisch. Ihre Umsetzung kann jedoch unterschiedlich ausfallen. MIDI Learn kann vom Plugin, von der DAW oder von einer zusätzlichen Mapping-Ebene bereitgestellt werden. Verfügbare Optionen, Wertebereiche und die Wiederherstellung im Projekt unterscheiden sich von System zu System.

Beim direkten Parameterzugriff kennt die Controller-Software bereits die Kennungen, die das Plugin bereitstellt. Sie kann die Parameter direkt anzeigen und Zuweisungen innerhalb ihrer eigenen Umgebung speichern. Zwischen Controller-Software und geladenem Plugin ist keine MIDI-CC-Nummer erforderlich.

Beide Verfahren können auch kombiniert werden. Ein physischer MIDI-Controller kann eine Software steuern, die anschließend direkt auf Plugin-Parameter zugreift. MIDI übernimmt die Verbindung zur Hardware, während die Controller-Anwendung die Zuweisung auf der Plugin-Seite verwaltet.

DPPC und Automation

DPPC und Automation können beide Plugin-Parameter verändern, beschreiben aber unterschiedliche Teile des Workflows.

Direkte Parametersteuerung beschreibt, wie ein Controller einen für den Host zugänglichen Parameter erreicht. Automation beschreibt, wie eine Host-Anwendung Parameteränderungen über die Zeit aufzeichnet, bearbeitet und wiedergibt.

Ein Musiker kann einen Parameter über DPPC bewegen, während die DAW die entstehende Geste als Automation aufzeichnet. Bei der Wiedergabe sendet der Host die gespeicherten Werte über das Automationssystem wieder an denselben Parameter.

VST3 kann Parameteränderungen mit Positionen innerhalb eines Audioblocks übermitteln und schafft damit die Grundlage für sehr genaue Automation. Die endgültige zeitliche Auflösung und das Smoothing hängen jedoch auch von der DAW und der Implementierung des Plugins ab. Deshalb ist es genauer zu sagen, dass VST3 hochpräzise Automation unterstützt, statt für jedes Plugin eine samplegenaue Wiedergabe aller Parameter zu versprechen.

DPPC und Automation ergänzen sich. Das eine ermöglicht den direkten Zugriff während der Bedienung. Das andere speichert und reproduziert die Bewegung.

DPPC und Makros

Ein Makro verbindet mehrere Parameter mit einem einzelnen Bedienelement. Dadurch lässt sich eine komplexe Gruppe von Veränderungen auf eine einfachere Performance-Geste reduzieren. Ein Plugin kann eigene Makros bereitstellen. Auch eine DAW oder Controller-Umgebung kann solche Beziehungen extern erzeugen.

Direkter Parameterzugriff arbeitet auf der Ebene der Parameter, die das Plugin exportiert. Controller-Software kann diese Parameter einzeln verwenden oder sie in neuen Makros, Wertebereichen und mehrdimensionalen Bedienelementen zusammenführen.

DPPC muss vorhandene Makros nicht umgehen. Wenn ein exportierter Makroparameter das sinnvollste Ziel ist, kann die Controller-Software ihn direkt ansprechen. Sind die zugrunde liegenden Parameter separat verfügbar, kann sie auch eine andere Beziehung zwischen ihnen aufbauen.

Makros und direkter Zugriff erfüllen damit verschiedene Aufgaben. Das Makro definiert die Beziehung zwischen mehreren Werten. Der direkte Parameterzugriff stellt den Weg zu den verfügbaren Zielparametern bereit.

DPPC und OSC

Open Sound Control ist ein flexibles Protokoll für strukturierte Nachrichten zwischen Anwendungen und Geräten. OSC unterstützt Netzwerkkommunikation, beschreibende Adresspfade und numerische Werte mit größerer Flexibilität als herkömmliche MIDI-1.0-CC-Nachrichten.

OSC bleibt jedoch ein Transport- und Nachrichtensystem. Eine Nachricht wie /filter/cutoff bestimmt nicht automatisch, welcher VST3-Parameter im empfangenden Plugin verändert werden soll. Die empfangende Software muss die Adresse verstehen und mit dem richtigen Ziel verbinden.

DPPC beschreibt die Plugin-Seite dieser Beziehung. Der Host oder Controller verwendet das vom Plugin bereitgestellte Parametermodell, um das Ziel zu erkennen und zu verändern.

Die beiden Konzepte stehen nicht in Konkurrenz. Eine Anwendung kann OSC-Nachrichten von einem Tablet oder einem anderen Computer empfangen und anschließend über direkten Parameterzugriff ein Plugin steuern. OSC transportiert die Anweisung zwischen Anwendungen. Die Plugin-API stellt den Zugriff auf den Parameter bereit.

Parameterbehandlung in VST2 und VST3

Die direkte Host-Steuerung von Plugin-Parametern begann nicht erst mit VST3. Bereits VST2 erlaubte Hosts, Parameterwerte zu lesen und zu schreiben. Viele Hosts nutzten diese Möglichkeit für generische Editoren, Automation und Controller-Integration.

VST3 entwickelte dieses Modell weiter. Das Format führte umfangreichere Parameter-Metadaten, feste Kennungen, eindeutigere Flags, normalisierte Wertumrechnung, bessere Organisation und eine klarere Trennung zwischen Bedienoberfläche und Audioverarbeitung ein.

Diese ausführlichere Beschreibung ist besonders nützlich für Software, die Parameter vieler unterschiedlicher Plugins automatisch erkennen, verständlich anzeigen und zuverlässig zuweisen soll.

Auch VST3 legt nicht die vollständige interne Architektur eines Plugins offen. Es stellt dem Host eine standardisierte Sicht auf die Parameter bereit, die der Plugin-Entwickler veröffentlicht hat. Dieser Unterschied muss im gesamten Artikel klar bleiben.

Was ist mit Audio Units und CLAP?

Das Prinzip hinter DPPC ist nicht auf VST3 beschränkt. Auch andere Plugin-Formate definieren Möglichkeiten, mit denen ein Host Parameter direkt erkennen und verändern kann.

Apples Audio-Unit-Architektur stellt Host-Anwendungen eigene Parameterstrukturen für Audio-Unit-Plugins zur Verfügung. CLAP definiert eine Parametererweiterung, über die Hosts Parameterinformationen abrufen, Werte lesen sowie Änderungen und Bediengesten übermitteln können.

Die Einzelheiten unterscheiden sich zwischen den Formaten. Kennungen, Metadaten, Event-Verarbeitung und Automationsmöglichkeiten sind nicht identisch. Gemeinsam ist ihnen jedoch das Prinzip, dass der Host mit einem durch das Plugin-Format definierten Parametermodell arbeitet und nicht vollständig von MIDI-Mappings abhängig ist.

DPPC sollte deshalb als allgemeines Steuerungskonzept verstanden werden. TouchMod verwendet VST3, doch direkter Parameterzugriff zwischen Host und Plugin ist ein breiteres Prinzip.

Warum Touch-Controller von DPPC profitieren

Ein physischer Controller besitzt eine feste Anzahl von Reglern, Fadern, Pads und Schaltern. Eine Touch-Oberfläche kann ihr Layout für jedes Plugin, Projekt oder jede Performance verändern. Direkte Parametererkennung erleichtert diese Anpassbarkeit erheblich.

Die Controller-Software kann Parameternamen und Kennungen aus dem geladenen Plugin abrufen, den Benutzer die wichtigen Ziele auswählen lassen und eine Oberfläche für die aktuelle Aufgabe aufbauen. Bei einem Delay können Feedback, Filterung und Wet/Dry-Verhältnis im Mittelpunkt stehen. Bei einem Synthesizer sind vielleicht Cutoff, Resonance, Wavetable Position und Modulation Depth wichtiger.

Direkter Zugriff ersetzt keine durchdachte Parameterzuweisung. Ein Plugin mit Hunderten von Parametern erfordert weiterhin Entscheidungen darüber, welche Funktionen zusammengehören und welche Wertebereiche musikalisch sinnvoll sind. Der Vorteil besteht darin, dass diese Entscheidungen ohne eine zusätzliche MIDI-Zuordnung für jedes Plugin getroffen werden können.

Touch ermöglicht außerdem Interaktionen, die sich mit einer Reihe unabhängiger Drehregler nur schwer nachbilden lassen. Mehrere Parameter können gemeinsam bewegt werden, ein Finger kann zwei Dimensionen steuern und Gesten können aufgezeichnet oder weiterverarbeitet werden. Diese Möglichkeiten entstehen aus der Verbindung einer flexiblen Oberfläche mit direktem Zugriff auf die exportierten Parameter des Plugins.

TouchMod verwendet dieses Modell zur Steuerung von VST3-Instrumenten und -Effekten. Es ist eine konkrete Anwendung des umfassenderen DPPC-Konzepts, aber nicht dessen Definition.

Häufig gestellte Fragen

Ist DPPC ein offizieller Plugin-Standard?

Nein. Direct Plugin Parameter Control ist ein beschreibender Begriff, der in diesem Artikel vorgeschlagen wird. Er bezeichnet die direkte Nutzung der Parameter-API eines Plugin-Formats durch einen Host oder Controller. DPPC ist weder ein separates Protokoll noch eine VST3-Erweiterung oder Zertifizierung.

Ersetzt DPPC MIDI?

Nein. MIDI bleibt unverzichtbar für Keyboards, Controller, Synthesizer und andere externe Hardware. Es wird außerdem weiterhin für Noten, Performance-Daten und zahlreiche Steuerungsaufgaben innerhalb von Software verwendet.

DPPC behandelt eine engere Aufgabe: Host- oder Controller-Software arbeitet direkt mit den Parametern, die ein Plugin bereitstellt. Ein System kann auf der Hardware-Seite MIDI und auf der Plugin-Seite direkten Parameterzugriff verwenden.

Ist DPPC genauer als MIDI?

Im Vergleich mit einer typischen 7-Bit-MIDI-1.0-CC-Zuweisung kann direkter Zugriff auf einen kontinuierlichen Plugin-Parameter eine erheblich feinere numerische Auflösung bieten.

Das bedeutet nicht, dass DPPC genauer ist als jede mögliche MIDI-Implementierung. MIDI 1.0 unterstützt auch bestimmte 14-Bit-Verfahren. MIDI 2.0 bietet deutlich höher aufgelöste Controllerdaten. Das tatsächliche Ergebnis hängt außerdem von der Parameterstruktur und Verarbeitung des Plugins ab.

Unterstützt jedes VST3-Plugin DPPC?

VST3 definiert eine standardisierte Parameterschnittstelle, über die Plugins Parameter an einen Host veröffentlichen können. Die praktischen Möglichkeiten hängen davon ab, welche Parameter das jeweilige Plugin bereitstellt.

Einige Parameter können read-only, verborgen oder in feste Schritte unterteilt sein. Andere Funktionen sind möglicherweise nur innerhalb der Plugin-Oberfläche verfügbar. DPPC kann mit den beschreibbaren, für den Host zugänglichen Parametern arbeiten, die das Plugin exportiert.

Funktioniert DPPC auch mit Effekten?

Ja. Das Konzept eignet sich für Instrumente, Effekte, Mastering-Prozessoren und Utility-Plugins. Entscheidend ist nicht die Art des Plugins, sondern ob es nützliche und beschreibbare Parameter für den Host bereitstellt.

Die Zukunft der Plugin-Steuerung

MIDI löste das Problem der Kommunikation zwischen elektronischen Instrumenten auf bemerkenswert langlebige Weise. Mehr als vier Jahrzehnte später bleibt es unverzichtbar, weil Hardware, Software und Performance-Systeme weiterhin eine gemeinsame musikalische Sprache benötigen.

Software-Plugins fügen eine weitere Ebene hinzu. Sie stellen ihren Hosts strukturierte Parametermodelle bereit. Controller und DAWs können dadurch Softwarefunktionen ansprechen, ohne jede Bewegung zuerst einer herkömmlichen MIDI-CC-Zuweisung zuzuordnen.

Mit zunehmender Komplexität von Plugins besteht die Herausforderung nicht mehr nur darin, Zugriff auf mehr Parameter zu erhalten. Wichtiger wird die Frage, welche Parameter tatsächlich relevant sind, wie sie gruppiert werden und wie Musiker sie sinnvoll gemeinsam bewegen können. Direkter Parameterzugriff stellt die technische Grundlage bereit. Gutes Controller-Design bleibt jedoch eine musikalische und ergonomische Aufgabe.

Ob sich der Begriff DPPC allgemein durchsetzt, ist offen. Der zugrunde liegende Ansatz ist im modernen Plugin-Hosting bereits etabliert: Eine Anwendung erkennt die vom Plugin bereitgestellten Parameter, greift über die Plugin-API darauf zu und kombiniert diesen Zugriff je nach Workflow mit Automation, MIDI, OSC, Hardware oder Touch.

Aus dieser Perspektive richtet sich DPPC nicht gegen MIDI. Es ist eine verständliche Bezeichnung für einen weiteren Teil der Steuerungskette, der besonders sichtbar wird, wenn Software selbst wie ein spielbares Instrument behandelt wird.